
Dateninteroperabilität im Katastrophenschutz und der Altenpflege
laufend | 12/2025 bis 09/2027
Partner: Fraunhofer IESE
Das Projekt untersucht, wie pflegebezogene Daten aus Hausnotruf und Pflegeeinrichtungen datenschutzkonform zusammengeführt werden können, um Katastrophenschutz und Rettungsdienst frühzeitig Informationen über besonders vulnerable Personen bereitzustellen und so Planung, Evakuierung und Versorgung in Krisenlagen zu verbessern.
Problemstellung
Pflegebedürftige Menschen gehören zu den besonders vulnerablen Personen. Stromausfälle und sonstige Infrastrukturausfälle, Naturkatastrophen, Brandereignisse oder die Beeinträchtigung von Lieferketten gefährden diese Personengruppe am stärksten. Häufig besteht
schon innerhalb der ersten Stunden eines Stromausfalls besonderer Handlungsbedarf, beispielsweise bei Patient:innen, die auf die Funktion eines Heimbeatmungsgerätes angewiesen sind.
Die Erfahrung des DRK aus dem Ahrtal, aber auch andere Naturkatastrophen, wie Starkregenereignisse zeigen, dass es in solchen Situationen zu großflächigen Evakuierungen und zu versorgenden Menschenmengen kommt. Viele Menschen verlassen sich darauf, dass ihnen im Katastrophenfall schnell ausreichend Hilfe durch den Rettungsdienst, die Feuerwehr oder Katastrophenschutzorganisationen zukommt. Gleichzeitig haben diese Organisationen insbesondere im ländlichen Raum nur begrenzte Hilfskapazitäten.
Informationen darüber, welche Personen einen besonderen Unterstützungsbedarf aufweisen, fehlen den Organisationen gänzlich, was die Planung, die Vorsorge und die Schadensabwehr erheblich beeinträchtigt.
Gleichzeitig gibt es innerhalb anderer Bereiche der Hilfsorganisationen umfangreiche Daten über die vulnerable Gruppe der zu Pflegenden. Stationäre Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflege- und Sozialdienste und der Hausnotruf versorgen diese Personen im Alltag und haben Daten über ihre Kund:innen, aus denen sich beispielsweise Informationen über die Abhängigkeit von strombetriebenen medizinischen Geräten, besonderen Medikamenten oder Pflegemaßnahmen und Immobilitätseinschränkungen ableiten lassen.
Diese Daten dienen dem Hausnotruf und den Pflegeeinrichtungen zur täglichen individuellen Versorgung der Betrokenen, für den Einsatz oder die Nutzung im Katastrophenfall sind diese Einrichtungen und Daten nicht ausgelegt. Eine Datenaustausch oder gar eine Verknüpfung dieser Daten untereinander oder mit den Einheiten des Katastrophenschutzes ist momentan nicht vorhanden.
Zielsetzung
Diese Daten sollen dem Katastrophenschutz sowohl zur Planung als auch zur operativen Schadensabwehr zur Verfügung gestellt werden. Dazu müssen die Daten aus den jeweiligen Datenbanken in einer Plattform zusammengestellt, semantisch aufbereitet und strukturiert werden, so dass sie in medizinischen Notfällen, für den Katastrophenschutz und den Rettungsdienst verwendbar sind.

Use-Case
Ein zu erarbeitender Use Case, der zur Evaluierung genutzt wird, bildet ein Unwetter mit Gewittern und Starkregen ab, das durch einen Blitzeinschlag im Umspannwerk in einer ländlichen Region (35 Gemeinden, 125.000 Einwohner) zu Stromausfällen in einer Kleinstadt und mehreren Gemeinden (11.000 Einwohner) führt. Das Stromversorgungsunternehmen erwartet eine Reparaturdauer von mehr als 24 Stunden. Erste Notrufe von Heimbeatmungspatienten, deren Geräte bald ausfallen, gehen ein. Zudem treten mehrere Flüsse über das Ufer, was Evakuierungen in der Kreisstadt notwendig macht. Besonders gefährdet sind ein Altenheim (105 Bewohner:innen) und eine Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigungen (60 Plätze), die dringend evakuiert werden müssen. Der Rettungsdienst ist durch Überschwemmungen und Verkehrsunfälle stark ausgelastet.
Unsere Rolle im Projekt
Das DRK analysiert und strukturiert die vorhandenen Datenquellen, indem es medizinische und pflegerische Daten aus verschiedenen Bereichen wie dem Hausnotrufservice, ambulanten Pflegediensten und Altenheimen erfasst und aufbereitet. Es wird evaluiert, welche dieser Quellen einen Mehrwert bieten und ein Konzept zur Kategorisierung des Hilfsbedarfs von Pflegebedürftigen entwickelt. Zudem wird geprüft, welche Informationen für die einzelnen Einheiten im Katastrophenschutz relevant sind hierzu werden Use Cases erarbeitet. In Zusammenarbeit mit den Katastrophenschutzzuständigen werden Vorschläge zur Visualisierung der Daten erarbeitet, wobei insbesondere auf die Aufbereitung und Darstellung der Informationen, etwa in Form eines Dashboards, geachtet wird, um deren Nutzung im Katastrophenschutz zu optimieren. Dabei wird die Plattform stets datenschutzkonform betrieben.
