Das Projekt überführt eine bestehende Integrierte Leitstelle in ein Praxislabor, in dem KI-Anwendungen sowie Leitstellen-, Lage- und Stabssoftware unter realitätsnahen Bedingungen entwickelt und erprobt werden können, von der Alltagslage bis zum Zivilschutzfall, aber ohne Risiko für den laufenden Betrieb kritischer Infrastruktur.
Leitstellen sind der erste Kontaktpunkt für jedes Hilfeersuchen – und geraten zunehmend unter Druck. Sie koordinieren die Maßnahmen und entscheiden über die Alarmierung von Kräften. Die Anforderungen steigen dabei von allen Seiten:
- mehr Einsätze bei weniger Ressourcen im Alltag
- häufigere und intensivere Großlagen
- neue Aufgaben aus dem Zivilschutz
- Resilienz gegenüber hybrider Bedrohung
Künstliche Intelligenz könnte hier viel leisten – bei Lageanalyse, Übersetzung, Notrufabfrage, Triage oder Simulation. Doch in der Praxis ist ihr Nutzen bislang gering geblieben.
Der Grund liegt im Umfeld: In sicherheitskritischer Infrastruktur mit hochsensiblen Daten lässt sich Neues nicht risikofrei erproben. Und außerhalb fehlt eine Umgebung, die der Realität nahe genug kommt, um Praxistauglichkeit und operativen Mehrwert belastbar zu bewerten.

Realität zum Erproben
Was fehlt, ist ein Ort zum Ausprobieren – und genau den schaffen wir. Neue Technologien lassen sich in echten Leitstellen nicht risikofrei testen, und außerhalb fehlt eine realitätsnahe Umgebung. Deshalb überführen wir eine bestehende Integrierte Leitstelle in ein Praxislabor: Sicherheitstechnik wird zurückgebaut, Arbeitsplätze, Server, Stabsraum und Einsatzleitsystem bleiben. So entsteht eine Umgebung, die mit realen Systemen arbeitet, selbst aber keine kritische Infrastruktur mehr ist – in der Technologien getestet werden dürfen, bevor sie in den echten Einsatz gehen. Und in der sie auch scheitern dürfen, ohne dass jemand zu Schaden kommt.
Die Bausteine der Laborleitstelle

Mensch und Technik im Zusammenspiel
Wissenschaftlich liegt ein Schwerpunkt auf der systematischen Untersuchung von Mensch-Technik-Interaktion: Human-AI-Teaming, Entscheidungsunterstützung durch KI, Auswirkungen neuer Technologien auf Arbeitsprozesse und Entscheidungsqualität sowie Stress- und Belastungsfaktoren des Einsatzpersonals. Diese Fragestellungen werden bislang meist isoliert betrachtet – die Laborleitstelle ermöglicht sie erstmals im Zusammenspiel und im Gesamtsystem „Leitstelle“.

Für wen?
Nutzen für die Beteiligten Die Laborleitstelle versteht sich als neutrale, ergänzende Infrastruktur, die drei Gruppen zusammenbringt:
Anwender (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) erhalten praxisreife Technologien, die unter realitätsnahen Einsatzbedingungen entwickelt und evaluiert wurden.
Forschungseinrichtungen erhalten eine Kooperations-, Test- und Evaluationsumgebung mit fundiertem Einblick in Prozesse und Organisationsstrukturen von Leitstellen sowie rechtssichere Rahmenbedingungen für Training und Evaluation KI-basierter Dienste. Für externe Forschungsprojekte steht die Nutzung kostenfrei zur Verfügung.
Hersteller werden früh und systematisch in Forschungs- und Entwicklungsvorhaben eingebunden und können ihre Systeme realitätsnah testen und weiterentwickeln.
Über den Projektzeitraum hinaus ist die Laborleitstelle als dauerhaft nutzbare Forschungs- und Entwicklungsinfrastruktur angelegt. Die entstehenden Simulationsumgebungen und Szenarien sind wiederverwendbar, erweiterbar und auf andere Fragestellungen übertragbar. Ergänzend ist die Nutzung für Aus- und Weiterbildung von Leitstellenpersonal vorgesehen.
Stellenausschreibungen
Techniker:in für Forschungsprojekte (m/w/d)
Werkstudent:in oder Praxissemester für Forschungsprojekte (m/w/d)
Laufzeit: 07/2026 – 06/2028 · Status: laufend · Förderkennzeichen: 13N18029




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